Die Historikerin Gerda Lerner sagte: „Jede Frau ändert sich, wenn sie erkennt, dass sie eine Geschichtehat.“ Wir alle haben eine Geschichte – unsere eigene, ganz persönliche. Sie ist geprägt von unseremFrau-Sein. Und auch dieses Frau-Sein selbst hat eine Geschichte, eine Tradition, an die wir uns heute erinnern wollen. Vor uns gab es bereits Generationen von Frauen, die ausgegrenzt, unterdrückt,entrechtet und ausgebeutet wurden – weil sie Frauen waren. Teil ihrer Geschichte war das Leid unterpatriarchalen, sexistischen Lebensbedingungen. Viele dieser Frauen haben für ihre Rechte – und damitauch für unsere heute – gekämpft.
Schon im 19. Jahrhundert entstand die erste organisierte deutsche Frauenbewegung. Und das obwohlsie damals keine Rechte auf politische Teilhabe hatten. Im Gegenteil: Sie wurde ihnen untersagt. Doch Frauen gründeten trotzdem Vereine, trafen sich zu Konferenzen, sie gingen auf die Straße. Sie traten fürein freies und selbstbestimmtes Leben ein. 1911, also noch im Kaiserreich, folgte, vor 115 Jahren, dererste Internationale Frauentag. An diesem Tag verbanden sich die feministischen Kämpfe weltweit. Das war ein historischer Moment – und er wirkt bis heute nach.
Vieles wurde seither erkämpft: das Recht auf Arbeit, politische Teilhabe, die Aufhebung der männlichen Vormundschaft. Doch wir sind noch lange nicht am Ziel. Noch immer fordern wir, was schon Generationen vor uns gefordert haben: Wir kämpfen noch immer für Geschlechtergerechtigkeit, für ein freies und selbstbestimmtes Leben und für wirksamen Schutz vor geschlechtsspezifischer Gewalt.
In diesem Kampf gab und gibt es viele Widerstände: Frauen wurden diffamiert, unterdrückt, zum Schweigen gebracht. Bewegungen wurden gespalten, vereinnahmt, kriminalisiert.Und trotzdem: Unsere Vorgängerinnen haben nicht aufgegeben. Sie haben uns ihren Mut hinterlassen. Ihren Kampfgeist. Ihre Hoffnung. Ihre Niederlagen, Erfahrungen und Erfolge. Ihre Geschichte ist Teil von uns – sie gehört in unser kollektives Gedächtnis!
Doch wenn wir in Schulbücher, in Medien oder in Geschichts bücher blicken – wo ist ihre Geschichte? Noch immer wird Geschichte vor allem als Geschichte der Männer erzählt. Die Frauenbewegung undder tiefgreifende Wandel der Lebenssituation von Frauen in den letzten 150 Jahren finden in Schule, Medien und im öffentlichen Erinnern kaum Beachtung.
Gerade deshalb ist es so wichtig, Sichtbarkeit zu schaffen und zu zeigen, der 8. März, der Kampf des Internationalen Frauentags war und ist immer. Wir wollen uns heute erinnern: Feminismus bedeutet, lautzu sein, Verantwortung für einander zu übernehmen und gemeinsam zu kämpfen.
Nehmen wir uns ein Beispiel an den Frauen, die vor uns gemeinsam gekämpft haben. Sie waren schon immer genau so vielfältig wie ihre Ziele. Die Frauenbewegung war davon geprägt, dass Frauen unterschiedlicher Klassen, Religionen und Herkunft zusammenkamen und gemeinsam für einegerechtere Welt eintraten. Vielfalt war und ist die Grundlage unserer Bewegung.
Deshalb bleibt damals wie heute unser Motto: Wir müssen kämpfen! Intersektional und solidarisch fürein freies Leben für Alle. Frei von Sexismus, von Hass, von Gewalt und Unterdrückung. Wir kämpfen füruns – und für alle, die noch nach uns kommen!
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English Version
The historian Gerda Lerner said, “Every woman changes when she knows that she has a history.” We all have a history – one all our own, a very personal one. It is shaped by our womanhood. And this womanhood itself has a history, a tradition, too, that we want to remember today. Before us, there was a generation of women who were marginalized, oppressed, disenfranchised, and exploited – because they were women. Part of their history was suffering under a patriarchal, sexist way of life. Many of these women fought for their rights – and thus our rights today.
As early as the 19th century the first German Women’s Movement emerged. Despite the fact that they had no right to be part of the political process. Quite the contrary: she was forbidden to do so. Nevertheless, women founded organizations, met each other at conferences, and marched in the streets. She marched for a free and self-determined life. In 1911, still under the German Empire, that the first International Women’s Day was celebrated 115 years ago. On this day, women banded together across the world for the feminist fight. That was a historical moment and its impact is still felt today.
Much has been won since then; for Worker’s Rights, political participation, and the abolition of male guardianship. Yet we are still far from our goal. We still must demand what generations before us have demanded: We still fight for gender equality, for a free and self-determined life, and for effective protection against gender-based violence.
This struggle has faced and continues to face much resistance: women have been defamed, oppressed, and silenced. Movements have been divided, co-opted, and criminalized. And yet: our predecessors did not give up. They left us their courage, their fighting spirit, their hope. Their defeats. Their experiences. Their successes. Their story is part of us—it belongs in our collective memory!
But when we look at textbooks, the media, or history books – where is their story? History is still primarily told as the history of men. The women’s movement and the profound changes in women’s lives over the last 150 years receive hardly any attention in schools, the media, or in public memory.
That’s precisely why it’s so important to create visibility and show that March 8th, the day of International Women’s Day, was and always will be a day of struggle. Today we want to remember: Feminism means being loud, taking responsibility for one another, and fighting together.
Let us take as our example the women who fought together before us. They were always as diverse as their goals. The women’s movement was characterized by women of different classes, religions, and backgrounds coming together and standing up for a more just world. Diversity was and is the foundation of our movement.
That’s why our motto remains the same today: We must fight! Intersectionally and in solidarity for a free life for all. Free from sexism, hate, violence, and oppression. We fight for ourselves – and for all those who come after us!
