Liebe Freunde und wache Herzen in der Heldenstadt Leipzig, Stadt der Friedlichen Revolution.
heute ist der 8. März. In den Kalendern der Welt wird dieser Tag mit Blumen und Glückwünschen gefeiert. Doch ich komme aus einem Land, dessen Tyrannen sich selbst vor diesem Datum fürchten.
Sie haben versucht, dieses Datum aus unserem Gedächtnis zu löschen, um unsere Verbindung zur Welt zu kappen
nur um uns stattdessen eine andere Kette namens „Frauentag“ um den Hals zu legen.
Für mich, die ich aus der geplünderten Erde Irans komme, schmeckt der 8. März nach Blut, nach Tränen und nach einem Kampf, der tief aus unserem Mark entsprungen ist.
Ich spreche heute von einer Besatzungsideologie in einem der ältesten Kulturländer der Welt, in dem „Frau-Sein“ ein Verbrechen ist- ein Makel, der jeden Morgen mit uns erwacht und uns unablässig begleitet.
Ein Ort, an dem das Leben einer Frau laut Gesetz nur halb so viel wert ist wie das eines Mannes.
Lassen Sie mich von einem Leid berichten, vor dem Worte verblassen. Die Unterdrückung der Frau ist nicht bloß eine einfache Ungerechtigkeit; sie ist das Rückgrat einer tyrannischen Ideologie. In Iran kämpfen wir nicht nur gegen Gesetze; wir kämpfen gegen Mauern, die uns den Atem rauben wollen.
Leid – das bedeutet ein Zuhause, in dem du kein Recht über deinen eigenen Körper hast.
Leid – das bedeutet kein Recht zu reisen, keine Freiheit zu wählen, was du trägst, nicht einmal das Recht zu singen.
Leid – das ist der unterdrückte Kloß im Hals von Mädchen, deren Träume hinter den Gittern des „Zwangs“ ermordet wurden.
Doch seht: Gerade jetzt, aus dieser Asche des Leids, aus dem Blut von Mahsa und Nika, erhob sich eine Flamme gleich einem Phönix, welche die Kalküle der Tyrannei für nichtig erklärt. Das „schwere Verbrechen“, eine Frau zu sein, ist heute zum Codenamen für Freiheit geworden.
Wir haben gesehen, wie die Frauen Irans aus ihrem Haar ein Seil flochten, um die Tyrannei in die Knie zu zwingen.
Und welch größere Pracht gibt es als jenen Moment, in dem die Männer begriffen: Solange die Frauen in den Ketten gesellschaftlicher Ausgrenzung liegen, werden auch sie niemals wahre Freiheit genießen.
Sie haben verstanden, dass Männlichkeit nicht darin besteht, die Frau einzusperren, sondern fest an ihrer Seite zu stehen.
Wenn das Leid zu Erkenntnis und Bewusstsein wird, lässt es sich nicht mehr auslöschen oder zum Schweigen bringen. Wenn Frauen erwachen, kann kein Gefängnis der Welt sie halten. Diese Verbundenheit ist die schönste Narbe unserer Geschichte, die sich nun in ein Wunder verwandelt.
Wir stehen heute hier unter dem Himmel einer Stadt, die ein Symbol für den Fall der Mauern ist.
Wir sprechen vom Einsturz der Mauern der Diskriminierung in Iran und rufen laut: Wir kehren nicht mehr um!
Wir holen uns unsere Straßen und unser gestohlenes Lächeln zurück.
Wir holen uns den Iran von jenen zurück, die Angst vor dem Namen der Frau und dem Schatten der Freiheit haben.
Wir werden das Land für all jene zurückgewinnen, die ihre Wünsche in jener Erde begraben mussten, und wir werden es neu aufbauen.
Damit wir gemeinsam mit der Welt nicht nur den 8. März, sondern das „Frau-Sein“, die „menschliche Würde“ und die „Rolle der Frau beim Aufbau der Zivilisation“ feiern können.
Im Iran von morgen wird das Frau-Sein kein Makel mehr sein, sondern eine menschliche Ehre.
Im Namen der Frau, die das Leben schenkt und der Freiheit würdig ist.
In Liebe zur Menschlichkeit und Freiheit.
Shahrzad Shojaee
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Dear friends and awake hearts in Leipzig, the City of Heroes, the City of the Peaceful Revolution.
Today is the 8th of March. On this day, the world celebrates with flowers and good wishes. But I come from a country where tyrants themselves fear this date.
They tried to erase this date from our memory, to severe our connection to the world only to put another chain around our neck by the name of „Women’s Day.“
For me, who comes from the plundered soil of Iran, the 8th of March tastes like blood, like tears, and like a fight that sprung from our marrow.
I speak, today, of an ideology of occupation in one of the oldest cultures in the world, where being a women is a crime, a stigma that wakes up with us every morning and accompanies us incessentantly.
A place, where, by law, the life of a woman is only worth half as much as the life of a man.
Allow me to tell you of a suffering, before the words fade. Women’s oppression is not just an injustice, it is the backbone of tyrannical ideology. In Iran we fight not only against laws, but we also fight against walls that seek to suffocate us.
Suffering – that means a home where you have no right over your own bodies.
Suffering – that means you have no fight to travel, no freedom to choose what you wear, not even the right to sing.
Suffering – that is the lump supressed in the girls‘ throats, whose dreams have been murdered behind the bars of coercion.
But see: still now, from the ash of these sorrows, from the blood of Mahsa and Nika, we rise from the flames like a phoenix, which rendering the calculations of tyranny void. Today, the „grave crime“ of being a women has become a codename for freedom.
We have seen how the women Iran braided their hair into a rope that forced tyrants to their knees.
And what greater splendor is there than that moment when the men realized: As long as women are in the chains of social exclusion, they too will never enjoy true freedom.
They understood that masculinity is not about locking up women, but standing by their side.
When the suffering becomes insight and awareness, it can no longer be erased or silenced. When women awaken their is no prison in the world that can hold them. This connection is the most beautiful scar in our history, that is now transforming into a miracle.
We stand here under the sky in a city that is the symbol for the Fall of the Wall.
We speak of the collapse of the wall of discrimination in Iran and shout loudly: We will not turn back!“
We are taking back our streets and our stolen smiles.
We are taking back Iran from those who fear the name of women and the shadow of freedom
We will reclaim the country for everyone who had to bury their dreams in that earth, we will rebuild it.
So that together with the world we can celebrate not only on the 8th of March „womanhood,“ „human dignity,“ and „the role of women in Building of Civilization.“
In the Iran of tomorrow, being a woman will no longer be a stigma, but a human honor.
In the name of women, who gives life and is worthy of freedom.
In love for humanity and freedom.
Shahrzad Shojaee
